Century Media Records - The Number ONE in Metal worldwide


Callejon
Hartgeld im Club
04/01/2019
Standard CD Jewelcase, Limitierte Deluxe LP mit 180gr Vinyl, CD und Wackel-Cover, Digital, Lim. Deluxe Box Set (2CD Digipak & T-Shirt)


BastiBasti
(Vocals)
Bernhard Horn
(Guitars)
Christoph "Kotsche" Koterzina
(Guitars)
Thorsten Becker
(Bass)
Max "Kotze" Kotzmann
(Drums)


BiographyDiscographyGallery
Callejon lieben Cover-Songs. Aus einem ganz einfachen Grund: Denn während sich die meisten Bands direkt nach der Gründung und lange vor der ersten eigenen Dreiton-Komposition mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit an der Interpretation von fremdem und vor allem bereits bewährtem Liedgut versucht, haben die fünf Düsseldorfer von Anfang an ihren eigenen Scheiß gemacht. Die logische Konsequenz nach den ersten vier Alben: Den Spieß mal umdrehen. 2013 pflügten sie als Kallejon – also known as die dummdeutsch-degenerierten Brüder ihrer selbst – mit ordentlich Krawall und dem Album »Man spricht Deutsch« einmal quer übers gut gedüngte Deutsch-Pop-Beet, um die Ernte von Die Ärzte bis Tic Tac Toe im Anschluss durch den Metal-Fleischwolf zu drehen.

Mit »Hartgeld im Club« blasen Callejon jetzt erneut zur feindlichen Übernahme. Aber nochmal das gleiche Konzept? Wäre doch langweilig – und die Gefahr, irgendwann bei Helene Fischer und Konsorten zu landen, außerdem zu groß. Weil Callejon ohnehin nie zweimal den gleichen Weg wählen, sondern sich liebend gerne den Kopf anschlagen und selbst herausfordern geht’s dieses Mal in Rap-Gefilde. Denn wir erinnern uns: Mit »Porn From Spain« und dem Feature von Nico K.I.Z. existiert ja schließlich schon seit 2008 eine Deutschrap-Connection seitens der Band – und mit Cover-Versionen von Sido und Fettes Brot wurde auf »Man spricht Deutsch« auch schon an HipHop-Songs herangegangen. Und stellte Eizi Eiz von den Beginnern nicht einst vollkommen zurecht fest: Wer Metal macht, aber nur Metal hört, betreibt Inzest? Eben.

Und während man im Metal dieser Tage eher die Füße stillhält, was Innovationen angeht, wird im Rap hingegen mehr denn je auf Regeln geschissen und alles roh, direkt und ungefiltert rausgeballert. Das ist zwar auch nicht durch die Bank geil, aber immerhin neu, interessant und vor allem viel näher am Leben und der Gesellschaft.

Warum sich also nicht dieses riesengroße Phänomen in seiner Präsenz und Antihaltung mal im Metal-Kontext genauer besehen? Warum nicht voneinander profitieren und diese beiden nicht gegensätzlicher anmutenden Genres zusammenbringen? Nicht gegeneinander ausspielen, sondern im Versus-Modus vereinen. »Hartgeld im Club« ist ein Cover- aber eben auch Crossover-Album in der Tradition von Veröffentlichungen wie dem »Judgment Night«-Soundtrack, diesem grandiosen Rap-Metal-Grundstein aus dem Jahr 1993, für den Helmet auf House of Pain und Sonic Youth auf Cypress Hill trafen. Die Herangehensweise: Die Identität und Grundidee der Songs erkennen und beibehalten. Ist das Ding auf Krawall gebürstet, einfach weird oder hat es vielleicht sogar dicke Hosen an? Und dann: mit großem Besteck in die genau diese Richtung losmarschieren.

Und so fühlt Bausas »Was du Liebe nennst« sich plötzlich nicht mehr wie die millionenschwere Mitschunkelnummer, sondern das Grundschnurren eines PS-starken Monster-Lowriders an und macht genau deshalb so viel Spaß, weil derartige Wortwahl im Metal sonst nie Platz gefunden hätte. »Ich rolle mit meim Besten« von Haftbefehl und Marteria bollert noch mehr als das Original und atmet tonnenschweren 2-StepHardcore in Hatebreed-Tradition. »Palmen aus Plastik« funktioniert auch ohne Eurodance-Unterbau ganz wunderbar, während »Bros« von RIN in bester Santana-Dada-Manier daherkommt und »Arbeit nervt« von Deichkind zur breitwandigen Hochbückung gegen das System mutiert.
Neben X Deutschrap-Cover-Songs finden sich auf »Hartgeld im Club« aber auch zwei komplett neue Tracks. Einer davon ist, klar, »Porn From Spain 3«. Mit, natürlich, K.I.Z und, ja, richtig gelesen, motherfuckin‘ Ice-T. Eine Abrissgranate vom feinsten – und die Erfüllung eines Body-Count-beeinflussten Teenager-Traums auf Bandseite obendrein. Außerdem wäre da noch der Titeltrack »Hartgeld im Club« bei dem Callejon von den beiden Rapperinnen Pilz und Antifuchs unterstützt werden und zeigen, wie vielfältig und horizonterweiternd die deutsche Rap-Szene sein kann.

All das macht »Hartgeld im Club« zu so einem grandiosen Album: Keine Parodien, kein Runtermachen, keine Ironie - sondern eine gelungene Symbiose. So wie auf dem Cover. Kutte und Throwback-Jersey, Cornrows und Langhaar-Matte, Corpsepaint und Grills – liebevoll vereint im zärtlichen Zungenkuss, bis die Traditionalisten hüben wie drüben die Wände hochgehen.

Von Jan Wehn